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Sanibona!

 

Ich möchte noch nicht nach Deutschland zurück!

Das hätte ich nicht gedacht, dass ich das sage, vor allem, wenn ich an die schwierigen ersten zwei Wochen zurück denke. Aber das gehört wohl alles dazu.

Die schwierigen Wochen am Anfang und die Tage nach meinem Urlaub in Mocambique und jetzt der Herzschmerz, der mich ergreift, die Traurigkeit, die sich immer mehr bemerkbar macht, wenn ich daran denke, bald zurück zu gehen.

Es gibt Tage und sogar Wochen, da gibt es kein anderes Thema bei uns am Küchentisch.

Das Thema Rückflug und was wir alles damit verbinden.

Rückflug bedeutet Abschied nehmen mit dem Wissen für eine lange Zeit keinen Lärm von den Kindern zu hören, keine unerträglich heißen Weihnachten erleben, Abschied nehmen von meinen Freunden und meinen vier Freundinnen, die schon lange nicht mehr nur noch Mitbewohnerrinnen und Arbeitskolleginnen sind! Ich werde die Sonne im Indischen Ozean nicht mehr aufgehen sehen und  jetzt, da ich mich dran gewöhnt habe, muss ich Abschied nehmen von den englischen Filmen im Kino, den englischen Nachrichten im Radio.

Abschied nehmen von meinen vier Mädels mit denen ich ein Jahr zusammen gelebt habe, die ich jeden Tag gesehen habe und die immer für mich da waren.

 

Südafrika ist ein wichtiges Land für mich geworden. Es ist zwar nicht meine Heimat, trotzdem fühle ich mich mit diesem Land auf eine bestimmte Weise verbunden.

 

Ja, so sitze ich also schon wieder am Küchentisch und bin traurig, obwohl wir abgemacht haben, nicht über unseren Rückflug nachzudenken sondern unsere restliche Zeit in Kenosis genießen und jeden Tag als Geschenk annehmen wollen!

Mit einer Tasse Kaffee (Fertigkaffeepulver bei dem man nur noch heißes Wasser in die Tasse dazu machen muss) und einem Blumenstrauß (Rosen, die die Kinder abpflücken und achtlos auf den Boden schmeißen, um uns zu ärgern) auf dem Tisch versuche ich mich in die richtige Stimmung zu bringen, um Euch mal wieder mein Leben näher zu bringen.

Mein Leben dass eurem ähnlich ist und dabei doch so unterschiedlich!

 

Mir geht es gut, ich bin gesund und glücklich.

Wie gesagt: noch nicht bereit das hier aufzugeben!

 

Wie waren Eure letzten 2 Monate?

Ward ihr direkt an einem Wasserfall baden?

Habt ihr endlich entschieden, wie eure berufliche Zukunft aussehen sollte (eine Entscheidung ist schon mal gut wie ich finde; mal schauen, ob es sich auch umsetzen lässt)?

Seid ihr durch die Straßen des weltgrößten Townships spazieren gegangen?

Oder habt ihr eure Eltern nach 8 Monaten mal wieder in den Arm nehmen können?

Vielleicht konntet ihr auch eine Herde Zebras vor eurem Auto galoppieren sehen?

Falls nicht, dann könnt ihr nun behaupten, dass ihr jemanden kennt, der in Südafrika lebt und sein Glück gar nicht fassen kann.

Diejenige bin ich und ich bin dankbar dass ich diese Fragen alle mit einem lauten Ja beantworten kann.

 

 

 

 

 

 

Wie ihr sehen könnt kann ich euch gar nicht nur von einem Highlight berichten. Jeder Tag ist ein Highlight, denn an jedem Tag passiert ein kleines Abenteuer oder es geschieht etwas Unvorhergesehenes. Was neben dem Alltag, den wir haben, mein Leben sehr spannend macht.

Da denke ich zum Beispiel, dass ich mittlerweile die Reaktionen gewöhnt bin, wenn wir durch ein ’schwarzes’ Wohnviertel laufen.

Als ich aber über Ostern in Soweto war, war ich geschockt, erstaunt, beschämt und verärgert zugleich. Jedes zehnte Auto hat uns nicht hinterhergehupt. Anstatt sich auf den Verkehr zu konzentrieren, wurde uns ganz offensichtlich hinterhergestarrt, aus Fenstern gewunken oder einfach nur Lärm produziert, um auf sich aufmerksam zu machen. Verrückt!!

Auf der einen Seite musste ich lächeln, dass wegen sechs weißer Frauen auf der Straße ein Chaos ausbricht. Ich habe mich aber auch dabei unwohl gefühlt, wie im Zoo angeschaut zu werde!

Mein Ostern verbrachte ich also in einem Umfeld, das von Kriminalität, Armut und AIDS sehr stark geprägt ist.

 

Viel Zeit haben wir auch mit unseren Jungs aus Sobantu verbracht und wir mussten lernen mit einer schrecklichen, nervigen und unhöflichen Angewohnheit von ihnen umzugehen.

Langsam haben wir uns daran gewöhnt und machen jetzt Witze darüber, trotzdem ist es immer wieder anstrengend, wenn wir uns mit ihnen verabreden und sie nicht auftauchen.

Wir warten eine Stunde. Wir warten zwei Stunden.

Sie tauchen immer noch nicht auf.

Die dritte Stunde vergeht. Draußen ist es inzwischen dunkel, es wird kühl und wir können unseren geplanten Picknick wohl vergessen!

In Deutschland verabredet man sich um 17.00 Uhr und erscheint dann auch um diese Uhrzeit, wenn nicht sogar früher.

Die Zulu Jungs richten sich aber nach der ’Südafrikanischen’ Zeit. Das kann eine Verspätung von einer halben Stunde (was sehr, sehr selten vorkommt) bis zu drei Stunden sein!

Auch als wir von ihnen zum Busbahnhof gefahren wurden um nach Soweto zu fahren. Zehn Minuten bevor der Bus abfuhr sind wir losgefahren. Was sich später als gar nicht so schlimm rausgestellt hatte, da der Bus mit 1 ½ Stunden Verspätung kam. Leider hat das die Jungs darin bestätigt, dass nichts und niemand in ihrem Land pünktlich ist und wir ja in ihrem Land sind und kein deutscher Einfluss sie zur Pünktlichkeit motivieren kann.

Da habe ich gemerkt wie stark man zur Pünktlichkeit in Deutschland erzogen wurde.

 

 

Meine Eltern kamen in den Genuss meine heiß- geliebten Kinder auch mal auf den Arm zu nehmen, in einem Backpacker zu übernachten, eine Safari zu machen, Cape Town zu erkunden, ihre Füße in den indischen und atlantischen Ozean zu halten, den 20sten Geburtstag mit ihrer Tochter zu feiern und Erinnerungen und Erzählungen von diesem wundervollem Land, der einzigartigen Natur und den Menschen nach Deutschland einzufliegen.

Danke Mama und Papa für diese zwei Wochen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es ist nun Mitte Mai und ich friere. Da helfen auch leider mein T-Shirt, der Pulli, die Weste, die Jacke und ein Schal nichts!

Wie schnell ich mich doch an die Hitze gewöhnt habe.

Kein anderes Thema ist so auf den Straßen, unter den Menschen verbreitet wie das Beschweren über die Kälte, die schon den ganzen Tag andauert.

Die Männer tragen Wollmützen, die Frauen dicke Hosen unter ihren Röcken, unsere Kinder im Creche ziehen ihre Handschuhe beim Spielen nicht aus und sogar wir Volunteers halten uns nicht länger als nötig draußen in der Kälte auf.

Ich schalte das Radio an.

Der Nachrichtensprecher berichtet irgendetwas über einen Banküberfall..

Über Sonderangebote in einem Supermarkt, der 40 Jahre alt wird.

Über das Wetter.

Es sind 16° C und ich bin etwas wütend auf Larissa, die den letzten Platz an der Heizung ergattert hat.

Es sind 16° C und wir werden heute Abend wohl wieder ein kleines Feuer im Kamin machen.

Aber nur ein kleines, denn keiner will freiwillig raus in die Kälte und Holz sammeln.

 

Ich sende euch trotz der Kälte die in Südafrika herrscht warme und herzlicher Grüße!

 

Eure Kathi

 

 

26.5.07 13:13





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